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Betrug durch mehr Fake-Shops

28.08.2018

Wie in den vergangenen Tagen mehrfach berichtet wurde, ist die Zahl sogenannter Fake-Shops in Deutschland stark angestiegen. Dabei handelt es sich um betrügerische Verkaufsseiten im Internet, deren Betreiber, nach Zahlungseingang, nicht die bestellten oder gar keine Waren ausliefern. Recherchen des SWR und der Verbraucherzentrale Brandenburg haben ergeben, dass es mittlerweile weit mehr als eine Million solcher Shops gibt und dass allein in Deutschland bereits 4,4 Millionen Menschen schon einmal Opfer von Betrug durch gefälschte Internet-Shops geworden sind.

Fake-Shops erkennen wird immer schwieriger

Auf den ersten Blick sehen Fake-Shops genauso aus wie Webseiten von normalen Internethändlern. Es gibt sie für alle Branchen und Produkte. Auch Markenartikel samt Produktfotos und -beschreibungen sind unter dem breiten Angebot zu finden. Oft kopieren gefälschte Shops einfach Material von Webseiten originaler Online-Shops. Günstige Preise locken Kunden dann in die Falle. Das größte Problem aber ist, dass sich oftmals nicht mehr eindeutig erkennen lässt, ob es sich bei einem Fake-Shop um eine betrügerische Webseite handelt oder nicht.

Die Szene ist professioneller geworden. Anders als noch vor ein paar Jahren ist ein Fake-Shop mittlerweile kaum noch von seriösen Verkaufsseiten im Internet zu unterscheiden. Weder Rechtschreibfehler noch fehlendes Impressum oder ein schlechtes Design weisen Besucher darauf hin, dass sie sich auf einer unseriösen Webseite herumtreiben. Selbst die deutsche Domainendung „.de“ biete inzwischen keine Sicherheit mehr, da es relativ einfach ist, mit gefälschten Daten an solche Domains zu kommen.

Darüber hinaus wird Besuchern durch die Anzeige von Zertifikaten wie dem „Trusted Shops“-Siegel oder von bekannten Symbolen wie denen von „PayPal“, „VISA“ und „Maestro“ ein vertrauenswürdiges Image vorgegaukelt, dass die meisten Alltagsinternetnutzer nicht hinterfragen. Erst der Bezahlvorgang bietet die Chance, einen scheinbar regulären Online-Shop als Fake-Shop zu entlarven.

Aufgepasst beim Bezahlen

Trotz Werbung mit PayPal ist der Bezahlvorgang auf Fake-Shops meist nicht darüber durchführbar. Das liegt vor allem daran, dass PayPal, wie andere Online-Bezahldienste auch, seine Unternehmen prüft. Liefert ein Händler keine Waren, sind bald darauf keine Transaktionen mehr möglich. In der Regel funktioniert der Kauf bei Fake-Shops deshalb nur per Vorkasse oder ausschließlich per Kreditkarte.

Seriöse Online-Shops bieten ihren Kunden normalerweise verschiedene Bezahlmöglichkeiten an, die dann auch funktionieren. Sollte dies einmal aus technischen Gründen nicht der Fall sein, wird frühzeitig darauf hingewiesen oder es besteht die Option, mit dem Kundendienst Kontakt aufzunehmen. Der Hinweis aber, dass die Bezahlung über PayPal „aus Sicherheitsgründen“ nicht möglich sei und man deshalb per Vorkasse bezahlen solle, ist hingegen ungewöhnlich. Hier ist also höchste Vorsicht geboten.

Kaum Chancen auf Schadensersatz

Ist eine Überweisung erst einmal getätigt, ist es für die Opfer sehr schwierig, ihr Geld zurückzubekommen, geschweige denn die bestellte Ware doch noch zu erhalten. Wer schnell handelt, also innerhalb weniger Stunden nach dem Kauf seine Bank kontaktiert, hat zumindest noch eine Minimalchance, die Zahlung rückgängig zu machen.

Die Zeit ist hierbei ein wesentlicher Faktor, da das Geld in der Regel auf Konten landet, die mit gefälschten Identitäten bei unzureichend sicheren Online-Banken eröffnet wurden. Nachdem es in Kryptowährungen wie Bitcoin umgetauscht wurde, wird es zeitnah weiterverschickt. Dadurch lassen sich Zahlungsströme noch schwieriger verfolgen.

Auch für die Ermittler ist es nicht leicht, an die Betrüger heranzukommen. Meist existieren Fake-Shops nur für wenige Wochen. Haben sich die Beschwerden von mehreren Kunden erstmal angehäuft, wird die Webseite einfach deaktiviert und ein neuer Shop mit neuen gefälschten Kontaktdaten eröffnet. Besser also, man fällt gar nicht erst auf den Betrug herein.

Was heißt das für Betreiber echter Online-Shops?

Das ist natürlich schwacher Trost für alle, die bereits Opfer von Fake-Shops geworden sind. Dennoch ist es wichtig, die Bevölkerung über die Gefahrenlage aufzuklären, um weiteren Schaden abzuwenden. Darüber hinaus gibt es bereits verstärkte Forderungen, das Eröffnen von Online-Konten genauer zu überprüfen und Zugangsdaten nicht etwa per E-Mail zu verschicken.

Doch auch für Betreiber von echten Online-Shops (vor allem von kleineren und unbekannteren) hat die Ausbreitung unseriöser Konkurrenz Folgen. Schließlich führt das Preisdumping nicht nur unmittelbar zu weniger Absatz, sondern langfristig auch zu einem Vertrauensverlust bei der Kundschaft. Wenn Fake-Shops nicht mit dem bloßen Auge zu erkennen sind, dann gerät irgendwann jeder Online-Shop unter Generalverdacht. Jede noch so kleine Unaufmerksamkeit, jeder Fehler auf der eigenen Webseite oder beim Bezahlvorgang wird dann bestraft.

Glücklicherweise bringt die Situation keine Änderungen an der grundlegenden Online-Strategie mit sich. Das Vertrauen der Kunden ist ohnehin das höchste Gut im E-Commerce und sollte auch ohne Fake-Shop-Konkurrenz geschützt werden. Einzig die Dringlichkeit, mit der Betreiber auf ordentliche Webseitengestaltung, umfangreiche Produktbeschreibungen und gewissenhaften Kundensupport achten sollten, wird durch Fake-Shops nochmals untermauert.

Überprüfen Sie also gründlicher denn je, ob Ihr Shop den Standards eines seriösen Internethändlers entspricht und werden Sie nicht fälschlicherweise für den Falschen gehalten.