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Auch dieses Jahr lockt Amazon mit seinem Prime Day wieder Millionen von Schnäppchenjägern und kurbelt damit das Online-Geschäft mächtig an. Noch bis Dienstag 24 Uhr kommen Prime-Abonnenten in den Genuss (oder Verdruss?) zahlreicher Rabatte auf eine Vielzahl an unterschiedlichen Angeboten. Wenn das Unternehmen auch nur ansatzweise an die Verkaufszahlen des letzten Prime Days herankommt, dann erwarten Jeff Bezos und Amazon weltweite Umsätze von über 2 Milliarden US Dollar.

Kundenbindung

Während sich die Verbraucher in erster Linie über einmalig günstige Angebote freuen, hofft man auf Seiten Amazons, mit der exklusiven Rabattaktion auch langfristig neue Kunden ans Unternehmen zu binden. Um in den Genuss der vergünstigten Angebote zu kommen, muss man nämlich über eine Amazon-Prime-Mitgliedschaft verfügen. Diese kostet deutsche Nutzer 69 Euro im Jahr oder 7,99 Euro monatlich. Für Studenten gibt es sie sogar die ersten 12 Monate kostenlos und danach vergünstigt zum halben Preis.

Das Kalkül des Online-Versandhändlers aus Seattle ist offensichtlich: Wer für die jetzigen Angebote ein Probeabo abschließt, der oder die wird eher geneigt sein, nach Ende der 30-tägigen Probelaufzeit in eine reguläre Mitgliedschaft überzugehen. Schließlich bietet das Prime-Abo eine Vielzahl an Services, die regulären Nutzern verwehrt bleibt. Neben der beschleunigten Lieferzeit umfasst das auch die unbegrenzte Nutzung des Video-on-Demand-Dienstes Prime Video oder des Musik-Streamingdienstes Amazon Music. Das Geschäftsmodell rentiert sich: Im Vergleich zu normalen Nutzern geben Prime-Mitglieder pro Jahr im Schnitt mehr als doppelt so viel Geld aus.

Rabatte vergleichen – Vorsicht bei Blitzangeboten

Doch auch wenn Amazon mit einer schier unendlich scheinenden Flut an Angeboten lockt, lohnt es sich, bei den vielen Rabatten einen Vergleich mit anderen Anbietern zu ziehen. Mitunter sind die Preisnachlässe nämlich gar nicht größer als bei der Konkurrenz. Viel entscheidender als die jeweiligen Rabatte selbst sind aber die Artikel, die Amazon am Prime Day anbietet. Hier zeigt sich, dass das Unternehmen vor allem darum bemüht ist, Produkte aus der eigenen Herstellung günstig zu verkaufen. Das betrifft hauptsächlich Produkte aus dem technischen Sortiment wie Amazon Echo, Amazon Fire TV oder das Fire Tablet, Geräte also, mit denen Kunden langfristig gebunden werden, da über sie weitere Amazon-Dienste wie der Voice-Service Alexa oder die bereits genannten Video- und Musikangebote genutzt werden können.

Bei den Blitzangeboten, die nur für sechs Stunden verfügbar sind, ist es wiederum ratsam, sich ehrlich zu fragen, ob die teilweise bis zu 70 Prozent reduzierten Artikel wirklich dem eigenen Bedarf entsprechen. Hier setzt Amazon ganz klar auf das Impulsverhalten seiner Käufer. Auch wenn man noch nie an einem Haarschneideset interessiert war, mag man in Versuchung kommen, wenn einem ein solches für 13 Euro statt 30 Euro angeboten wird. Durch die zeitlich begrenzte Verfügbarkeit, die dem potentiellen Käufer als Countdown visualisiert wird, verstärkt sich überdies der Eindruck, zuschlagen zu müssen, um sich das einmalige Angebot nicht entgehen zu lassen.

Ruhe bewahren – Konsumverhalten überdenken

Letztlich sollte sich jeder Nutzer selbst eine Meinung zu der Sinnhaftigkeit des Amazon Prime Days bilden. Auch wenn der Online-Versandhändler das Kaufverhalten im Internet grundlegend revolutioniert hat und weiterhin beeinflusst, das Unternehmen steht nicht zuletzt wegen seiner fragwürdigen Konzernpolitik und den schlechten Arbeitsbedingungen für seine Mitarbeiter und Auslieferer in der Kritik. Der Amazon Prime Day, der mit erstmalig 36 Stunden sowieso eher auf dem Weg zu den Amazon Prime Days ist, bietet eine gute Gelegenheit innezuhalten und das eigene Konsumverhalten zu überdenken. Wem nützen die Rabatte am meisten und auf wen oder was schlagen sich die eingesparten Kosten letztlich um?

Wer gezielt auf ein bestimmtes Produkt spart und dieses durch die jährliche Rabattaktion vergünstigt erwerben kann, für den oder die ist der Amazon Prime Day sicherlich eine willkommene, wenn auch unoriginelle Erfindung. Schließlich sind Rabattaktionen so alt wie der Handel selbst. Wer jedoch aus purer Schnäppchengier Geld für Produkte ausgeben will, für die kein Bedarf existiert, sollte vielleicht lieber den nächsten Flohmarkt aufsuchen. Dort muss man keine Mitgliedschaft abschließen und die frische Luft gibt’s gratis dazu.